Banner grau im Gericht mit Ulvi

 

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verhandlungstermine

 

FP 8.4.14

1. Verhandlungstag

10. April 2014

An diesem Donnerstag, den 10. April 2014 – fast 10 Jahre nach seiner Verurteilung durch das Landgericht Hof – steht Ulvi Kulac wieder vor Gericht, diesmal vor der Jugendkammer des Landgerichts Bayreuth unter dem Vorsitz von Richter Michael Eckstein. Neun Verhandlungstage hat das Gericht angesetzt, um den Fall noch einmal aufzurollen.

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prozess 6

Als Ulvi – elegant gekleidet mit einem hellen Sakko, dunklen Hemd und Krawatte – den Gerichtssaal betritt, erntet er Applaus; im damaligen Prozess fand es die BILD-Zeitung angemessen, ihn als „Schwein“ zu titulieren.

Die Süddeutsche Zeitung berichtet:

„ Das liegt nicht zuletzt an der Beharrlichkeit einer Bürgerinitiative, die nie an die Schuld des Mannes glaubte“.

Richter Michael Eckstein eröffnet die Verhandlung. Nach den Formalien und der Verlesung der Anklage hatte Ulvis Verteidiger Michael Euler das Wort. Der Anwalt von Ulvi erklärte, dass es sich bei Ulvi um eine geistig behinderten Menschen handelt, der sich bei der Polizei um „Kopf und Kragen“ redet, in Dutzenden Vernehmungen sich immer tiefer in etwas hinein manövriert.

Rechtsanwalt Euler wirft den damaligen Ermittlungsbeamten schlechte Arbeit vor; „es habe viel Manipulatives der Polizei“ gegeben. Alles Entlastende sei von der Polizei zunichte gemacht worden. „ Sie haben ein Verfahren, wo Sie nicht glauben können, was Sie lesen!“  

Als erster Zeuge tritt Richter Wisneth vom Amtsgericht Bayreuth auf; er war der Ermittlungsrichter, bei dem der damalige Belastungszeuge Hofmann seine Aussage gegen Ulvi widerrufen hat. An der Wahrheit der Aussage des Hofmann - Ulvi habe ihm nie gesagt habe, dass er Peggy erdrosselt hat - habe der Richter nicht gezweifelt.

Der Zeuge berichtet weiter von einem Ermittlungsverfahren im Jahr 2007 gegen zwei damalige Ermittler. Ulvi hatte erklärt, Polizisten hätten ihm gegenüber Gewalt angewendet; einer habe ihn mit den Daumen in die Schulter gedrückt und Schmerzen zugefügt. Der Zeuge Wisneth erklärt, dass Ulvi ihm das glaubwürdig berichtet hat und er der Meinung ist, dass es so tatsächlich passiert ist.

Rechtsanwalt Euler: „ Die Misshandlung kann nur den Zweck gehabt haben, meinen Mandanten zu einer Aussage zu bringen, die er nicht machen wollte – und das ist Folter“.

Weiter wurden an diesem ersten Verhandlungstag damalige Kinder (nunmehr Jugendliche) vernommen, die im Kern alle aussagten, Peggy noch gesehen zu haben, als sie laut Urteil  hätte schon tot sein müssen. Sie versicherten übereinstimmend, dass sie sich unmöglich in der Person Peggys geirrt haben könnten. Sie erklärten auch gegenüber dem Gericht, dass sie sich von der Polizei unter Druck gesetzt fühlten. Sie seien immer wieder vernommen worden, die Polizei wollte ihnen nicht glauben.

 

2. Verhandlungstag

11.4.2014

Als Ulvi den Gerichtssaal betritt, wird ihm eine Rose überreicht.

Ulvi mit Rose

An diesem 2. Verhandlungstag hatte das Gericht den Profiler Alexander Horn gehört, der vor 12 Jahren die Tathergangshypothese angefertigt hatte, der die Soko II folgte und die später im Geständnis von Ulvi Kulac wieder auftauchte. Er erklärte, es sei ein Konzept für die Vernehmung von Ulvi gewesen. In diesem Konzept spielt eine Lichtenberger Zeugin eine große Rolle, die angeblich Ulvi am besagten Tag Mittags am Marteau-Platz gesehen hat. Das Gericht hält dem entgegen, dass es sehr verwunderlich sei, dass diese Zeugin – übrigens die einzige und erst nach einem Jahr – als glaubwürdig angesehen wurde.

Es wird seitens des Gerichts angeregt, diese Zeugin zu einem der nächsten Termine zu laden.

- Gänzlich ins Rutschen kam Horn, als er dann noch einmal eine Zeugenaussage ins Spiel

   brachte und damit ein kausales Argument. Da habe es die Zeugenaussage einer Frau gegeben, 

   die Ulvi auf einer Parkbank gesehen habe, genau dort, wo Peggy auf ihn getroffen sein könne.

   Er bringt wieder sein Bewegungsprofil ins Spiel, und diese Aussage habe also die Wege von

   Ulvi und Peggy zusammengeführt. Dummerweise hielt ihm einer der Beisitzer vor, dass das

   so nicht stimmen könne, denn die Zeugin hatte ihre erste Aussage erst nach seinem Bericht

   abgegeben, den er bei der Polizei am 2. Mai 2002 erstattete. „ Das ist sehr interessant“,

   stammelte Horn,“aber mir ist nicht bewusst, dass sie vorher noch gar nicht vernommen wurde.“

   „ Wurde sie“, meldete sich die Staatsanwältin zu Wort, „ aber dabei hat sie das noch nicht gesagt“.  (bitterlemmer.net)

 

Auf Anfrage erklärt Horn, dass keine Reid-Methode angewandt wurde, höchstens Teilelemente. Er wisse aber nicht welche, da er sich nicht damit befasst habe. Er gibt an, dass ihm 6 Seminare über die Reid-Methode bekannt seien; ehemalige Ermittler der Soko II seien angeblich nicht dabei gewesen.

Zweiter Zeuge ist der ehemalige Leiter der Soko Peggy, Kriminaldirektor Wolfgang Geier; er erklärt, eine neue Soko – eine „ Revisions-Soko“ - sei eingesetzt worden, weil die Soko I keinen Täter präsentierte!

Weiter sorgt er für eine handfeste Überraschung mit dem Hinweis: er habe bis vor kurzem nichts von einer Tathergangshypothese gewusst. Das habe er erst aus der Presse erfahren.   

Geier Frankenpost

(Foto Frankenpost

Tatsächlich war die Existenz dieser gefertigten Vorstellung von der Tat ausschlaggebend für die Anordnung des Wiederaufnahmeverfahrens durch das Landgericht Bayreuth. Geier schildert zunächst mit vielen Details, warum er sich auf Ulvi konzentrierte. Er liest alles - mehr als er vorträgt - von einem mitgebrachten Notizzettel ab;  es ist der bekannte Ablauf. Alle „Sichtungen“ des Mädchens durch Zeugen nennt er „Irrtümer“ Geier beschreibt, wie Ulvis Vernehmungen vorbereitet wurden, wie die Verhöre verlaufen, das Geständnis fällt und Videos von der Tatrekonstruktion erstellt wurden. Richter Eckstein begründet daraufhin sogleich, dass es von Interesse sei, diese Videos anzusehen, ob es überhaupt möglich sei, dass Ulvi den beträchtlichen Weg dem Mädchen hinterher gerannt ist.

 Wolfgang Geier verliert an sicherem Auftreten, als im Gerichtssaal Filme vom Juli 2002

 vorgeführt werden. Videos, die nach Kulac abgelegtem Geständnis gedreht wurden.

 Kulac tritt als Hauptdarsteller auf. Und der Mann, dessen Intelligenzquotient mit 67 an der

 Grenze zum Schwachsinn liegt, hatte offenbar Spaß an den Aufnahmen. Er lacht. Er schaut

 die Ermittler treuherzig an. Er zeigt an einer Puppe, wie er Peggy getötet habe.

  (Metropolregion  Nürnberg)

 

Video-Tatrekonstruktion

Geier hatte das Geständnis von Ulvi schon deshalb als überzeugend empfunden, weil dieser selbst bei der Tatortbegehung auf den Stein hingedeutet hatte, über den Peggy gestolpert sein sollte. Auf dem vorgeführten Video ist das Gegenteil ersichtlich: Geier selbst wies Ulvi Kulac auf den fraglichen Stein erst hin!

Richter Eckstein weist Geier darauf hin, dass Ulvi im Video nicht gerannt sei. Geier erwidert daraufhin wahrheitswidrig, dass Ulvi zur Tatzeit 40 kg weniger gewogen habe.

Die größten Widersprüche jedoch gibt es bei den Schilderungen, wie die bis heute verschwundene Leiche entsorgt worden sein soll. Wahllos hatte Ulvi Bekannte belastet, die zu diesem Zeitpunkt gar nicht in Lichtenberg waren, bis er schließlich seinen Vater belastete. Diese habe das Mädchen in einer grünen Decke weggeschafft, in einer grünen Decke, die er abends zum Schlafen gebrauchte und am Tag damit Steine aus dem Garten fort brachte. Geier räumte ein, dass man von der Decke nicht einmal eine Faserspur habe im Auto sichern können.

Der Anwalt von Ulvi fragt Geier:

Haben Sie etwas gefunden, was auf eine Täterschaft meines Mandanten spricht?“ - Antwort Geier: „ nein “

Wurde in dem Auto des Vaters von Ulvi etwas gefunden – etwa Fasern von einer grünen Decke?“ - Geier: „ nein „

Ungeheuerlich die Erklärung von Geier im Prozess, er habe den Belastungszeugen Peter Hofmann nie persönlich kennengelernt. Tatsächlich erklärte Hofmann vor dem Ermittlungsrichter in der Anhörung vom 27.10.2010:

Aussage Hofmann 1

 

„ So erbarmungslos hat ein Gericht wohl selten einen Kriminalermittler zerlegt. Es ging um

   das  Geständnis des Ulvi Kulac, er habe Peggy ermordet. Offensichtlich ist das Gericht davon

   überzeugt, dass die Vernehmer ihrem Beschuldigten mehr oder weniger alles eingeredet haben,

   was er sagt. Die Fragen stellte in der Regel der über alle Prozesstage bestens vorbereitete

   Beisitzer Jochen Götz. Mit seinen Vorhalten brachte der den Kriminalermittler im Zeugenstand

   mehrmals in Verlegenheit“. (bitterlemmer.net)

 

Als weiterer Zeuge tritt der ehemalige Ermittler Gröger auf.

Richter Eckstein hält ihm vor, dass es ja zeitlich gar nicht möglich war, dass Ulvi in einer halben Stunde das Mädchen verfolgt, umgebracht und weggebracht hat! Auch hält er ihm vor, die Vernehmungen von Ulvi – ohne Anwalt - bereits im Auto.

Richter Eckstein fragt nach dem Grund der stundenlangen Vernehmungen der Zeugen W. und K. - Gröger kann sich leider nicht mehr erinnern -!

Es wird Gröger ein Foto vorgelegt, auf dem er selbst zu sehen ist, wie er damals darstellt, wo die Zeugin hat Peggy laufen gesehen. Sie war nämlich bereits an der Bank vorbei, an der sie Ulvi angeblich abgefangen haben soll. Im Prozess kann sich Gröger leider daran nicht mehr erinnern!!

3. Verhandlungstag

15. April 2014

Gudrun beim Prozess

Auch am dritten Verhandlungstag sind die Zweifel am Wert des Geständnisses eher größer als kleiner geworden; das Gericht hörte 3 Beamte, die damals beim Geständnis dabei waren. Sie wurden konfrontiert mit einer ganzen Reihe von Fundstellen in den Vernehmungsprotokollen, die nahelegten, dass der geistig behinderte Ulvi Vorbehalte und Vermutungen der Beamten Stück für Stück in seine Aussage einbaute und wiederholte. Zum Teil stammten sie von zeitlich sehr viel früheren Vorgängen, die er in älteren Vernehmungen geschildert hatte.

Zum Geständnis sei es jedoch erst gekommen, als Ulvi von einem in Lichtenberger wohnenden Polizisten – der nur als Fahrer eingesetzt war - vom Polizeipräsidum wieder ins Bezirkskrankenhaus gebracht werden sollte.

Der Lichtenberger hat der Behauptung widersprochen, dass er Ulvi unter Druck gesetzt habe, ein Geständnis abzulegen.

Auf Nachfrage von Ulvis Anwalt und des Gerichts musste er jedoch einräumen, dass er sich nicht mehr genau erinnern könne. Ulvis Anwalt nahm ihm das jedoch nicht ab und versuchte mehrfach, dessen Glaubwürdigkeit zu erschüttern.

Auch hatte der Anwalt dem Lichtenberger eine Episode vorgehalten, wonach er in einem Wirtshaus im Vollrausch einen Zeugen seine Dienstpistole an den Kopf gehalten habe; dann sei noch die Patrone aus der Waffe gefallen. Die Lichtenberger können sich noch gut an den Vorfall erinnern; der pensionierte Polizist jedoch nicht!

Ein weiterer ehemaliger Ermittlungsbeamte erklärt auf Anfrage, dass der Profiler Horn mehrmals Hinweise zur Vernehmung von Ulvi gegeben habe; an eine  Tathergangshypothese erinnere er sich jedoch nicht. Auch habe er dem Gedächtnisprotokoll keine allzu große Bedeutung beigemessen, denn man brauche Sachbeweise und eine Leiche.

Beides hatte sich jedoch im Laufe der Ermittlungen nicht finden lassen!

Das Gericht setzte sich mit den Verhörmethoden der Ermittler auseinander und musste feststellen, dass dem geistig behinderten Ulvi nicht nur mehrfach Worte in den Mund gelegt wurden, sondern auch vier Varianten seines Geständnisses vorliegen. Ulvi konnte keine Uhr lesen und Zeiten bestimmen, seine Angaben über den Verbleib der Leiche erwiesen sich als falsch. Trotzdem wurde er 2004 verurteilt.

 

4. Verhandlungstag

5. Mai 2014

An diesem Verhandlungstag wird der ehemalige Ermittler Behrend gehört, der damals bei der Soko I und II mit der Gesamtsachbearbeitung beauftragt war.

Behrend

(Foto Nordbayer. Kurier)

Von einem Mord möchte Behrendt mit Sicherheit nicht ausgehen und er ist durchaus der Meinung, dass Peggy noch lebt. Auch kann er bis heute nicht ausschließen, dass Peggys Mutter mit dem Verschwinden ihrer Tochter zu tun hat!

Auf Anfrage erklärt der ehemalige Ermittler, dass seitens der Polizei ein neuer Kinderausweis in Lichtenberg beantragt wurde; warum dies jedoch bereits vor dem Verschwinden von Peggy erfolgte, darauf fand er keine Antwort!

 

ausweis peggy

Behrendt kann sich noch an den Zeugen Wunderlich erinnern, dessen Aussage - er habe Peggy noch nachmittags gesehen - einen hohen Stellenwert hatte. Auch er glaubte damals an die Richtigkeit dessen Angaben. Er kann keine Angaben machen, warum er dann später nicht mehr der Meinung war.

Auf Anfrage über den Eindruck und die Qualität der Aussagen von Ulvi im Geständnis bestätigt er, dass die Zeitangaben keinerlei Qualität hatten, sie waren widersprüchlich oder stimmten gar nicht. Auch die Angaben über einen angeblichen Missbrauch der damals 9-jährigen Peggy sind fragwürdig und widersprüchlich. Der ehemalige Ermittler bestätigte, dass vieles nicht stimmte, was Ulvi aussagte. Letztendlich konnte kein Beweis für einen Missbrauch der Peggy erbracht werden.

An den Pressebericht vom 23.1.2002 – Ulvi habe nichts mit dem Verschwinden der Peggy zu tun, auch gebe es keinen Beweis für einen sexuellen Missbrauch – konnte sich dieser nicht mehr erinnern.

Er bestätigte ebenfalls den Hinweis der Psychologin, dass die ersten und sofortigen Aussagen von Kindern am wertvollsten und glaubhaftesten sind; die Mütter dreier damaliger Zeugen erklären, dass ihre Kinder von Anfang an gesagt haben, Peggy noch am Nachmittag gesehen zu haben. Auch der ehemalige Ermittler Krügel konnte sich an den damaligen Zeugen Wunderlich erinnern, der Peggy gut kannte und genau wusste, dass er sie noch am Nachmittag gesehen hat. Er konnte das sogar an einer Zeit festmachen und sei nie von seiner Aussage abgerückt.

Als Zeuge wurde auch der Bayreuther Polizeihauptkommissar Müller gehört, der seit Juli eine Ermittlungsgruppe leitet, die im Fall Peggy noch einmal alle Ergebnisse und Spuren der vorangegangenen Arbeit zweier Sonderkommissionen überprüfen soll.

Eine neuerliche Auswertung der Spuren von 2001 hat ergeben, dass im Kofferraum des PKW von Ulvis Vater keinerlei DNA-Anhaftungen von Peggy gesichert werden konnten. Bisher sei man immer noch davon ausgegangen, dass ihre Leiche in dem Wagen aus Lichtenberg weggebracht wurde.

KOK Müller

(Foto Nordbayer. Kurier)

Müller ist überzeugt, dass es eine solche Leiche gegeben haben muß. „ Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ gehe die Ermittlungsgruppe davon aus, dass das Mädchen wirklich tot ist. Die vielen vorliegenden Indizien hinsichtlich einer Entführung von Peggy lässt er außen weg!

Eine neue Spur sei Holger E., der wegen Missbrauch seiner Tochter im Gefängnis sitzt. Dieser habe Ostern 2001 in Lichtenberg bei seinem Bruder verbracht und seine kleine Nichte missbraucht. Holger E. habe auch Zärtlichkeiten mit Peggy ausgetauscht, einen Missbrauch der Peggy bestreitet er jedoch. Ein weiterer Verdächtiger sei auch dessen Bruder Jens B., ebenso ein weiterer Lichtenberger, der bereits 2008 ins Blickfeld der Ermittler rückte, weil er wegen des sexuellen Missbrauchs zweier kleiner Mädchen verurteilt wurde. 

Auf Vorhalt ist im Gespräch die Zeugin, die nach einem Jahr plötzlich Ulvi auf der Bank am Marteau - Platz zur tatrelevanten Zeit gesehen haben will; gerade zu einer Zeit, als ihr eigener Sohn in Tatverdacht stand. Dass sie falsche Angaben gemacht hat, zeigt die Tatsache, dass ihre Aussage im Urteil keine Verwendung fand, lediglich über das Wetter an diesem Tag.

Auf Vorhalt, dass Peggy am 8.5.01 mit einer südländisch aussehenden Frau gesehen wurde, erklärt Müller, dass der Zeuge nicht glaubwürdig ist und er übrigens der einzige sei. Tatsächlich ist der Zeuge mehrfach auch von Medienvertretern befragt worden und seine Aussagen als sehr glaubwürdig eingeschätzt. Auch gibt es eine weitere Zeugin, die ebenfalls diese südländisch aussehende Frau mit einem Mädchen an der Hand gesehen hat, das möglicherweise Peggy war.

Es wird Bezug genommen auf den Zeugen Florian L., mit dem erst neuerlich wieder ein Schacht begangen wurde, in dem Peggy liegen könnte. Dabei wird eindeutig festgestellt, dass dieser in psychiatrischer Behandlung ist und seiner eigenen Welt lebt; mit anderen Worten: frei erfundene Geschichten erzählt!

5. Verhandlungstag

6. Mai 2014

im Gerichtssaal

Heute wurde der ehemalige Verteidiger von Ulvi, Wolfgang Schwemmer aus Bayreuth in den Zeugenstand gerufen.

  „ Ich war überzeugt, dass das Geständnis nicht verwertet werden darf. Ich glaubte es nicht, denn Ulvi war ein begnadeter Märchenerzähler!“

schwemmer

(Foto AZ)

Schwemmer erklärte, dass Ulvi der Mandant gewesen sei, den er immer mit sich herum getragen habe. Er konnte nicht verhindern, dass Ulvi 2004 als der Mörder von Peggy verurteilt wurde. Er ist aber auch heute noch überzeugt, dass der Schuldspruch damals falsch war. 

Der damalige Soko-Chef Geier hatte in seiner Aussage am Vortag Schwemmer regelrecht als „Depp“ dargestellt; der wiederum kritisiert die Arbeitsweise der damaligen Soko II und weist den Vorwurf zurück, er habe Ulvi durch die Erlaubnis, auch ohne Verteidiger mit der Polizei zu reden, in Schwierigkeiten gebracht.

Sehr suspekt die Antwort von Schwemmer auf die Frage, warum er seinen Mandanten mit der Polizei reden ließ!

„Der Ulvi hört nicht darauf, wenn ein Verteidiger sagt: Du sprichst

  nicht mit der Polizei. Er fühlt sich wichtig, wenn er von der Polizei

  befragt wurde. Gerade weil ich wusste, dass er so ein Märchenerzähler

  ist, glaubte ich, er würde soviel verschiedene Sachen erzählen, dass man

  am Ende nicht mehr unterscheiden kann, was stimmt oder nicht.“

Schwemmer erklärte, dass Ulvi auf jeden Fall vor seinem Geständnis gleich zweifach getäuscht worden sei: zum einen, weil man ihm erzählte, dass auf seiner Arbeitskleidung ein Blutfleck von Peggy gefunden worden sei; zum anderen habe man Ulvi, der sich vor dem Gefängnis fürchtete, erzählt, dass er auf jeden Fall im Bezirkskrankenhaus bleiben dürfe. Andererseits möchte Schwemmer nicht behaupten, dass Ulvi über den Tisch gezogen wurde.

 

Am Nachmittag des Verhandlungstages hält Prof. Kröber sein Plädoyer hinsichtlich der Glaubwürdigkeit des Geständnisses von Ulvi.

Prof. Kröber

Im ersten Prozess 2004 war Kröber eine Schlüsselfigur: er hielt das Geständnis für glaubhaft. Ohne seine Einschätzung wäre Ulvi Kulac damals kaum verurteilt worden.

Artikel von Ulrike Löw NN 7.5.14

„ Doch im Wiederaufnahmeverfahren wird offenbar, wie dürftig die Ermittlungen waren, auf

   welch wackligen Beinen die Täterschaft des geistig Behinderten stand. Und im Prozess war

   bereits zu hören, dass es die Ermittler der Soko II fertigbrachten, dem Gutachter eigens einen

   dünnen Zwischenbericht zu fertigen, statt ihn mit den vollständigen Akten zu bedienen.

   Nun, da der Psychiater endlich vollständig im Bilde ist, bietet er alternative Denkmöglichkeiten:

   Er hält Kulacs Geständnis zwar noch für immer schlüssig und „erlebnisbegründet“ - doch er

   schließt ein falsches Geständnis , entstanden unter massiven Vernehmungsdruck, nicht mehr

   aus.

   Zu fragen ist aber, was die Hofer Richter trieb, einen Gutachter zu fragen, wie glaubwürdig ein

   Angeklagter ist. Schließlich hat er das Recht, im Strafprozess zu schweigen. Durch das

   Gutachten wurde Kulac dieses Recht vorenthalten.

   Dazu kommt: Staat selbst zu entscheiden, wie sie den Angeklagten einschätzen – wie es zur

   alltäglichen Arbeit aller Richter gehört -, verließen sich die Hofer Richter auf die Expertise

   des Psychiaters. So entmündigten sie sich selbst und am Ende drückten sie ihren Stempel

   unter ein fremdes Urteil.“ 

Prof. Kröber räumt ein, dass ein falsches Geständnis von Ulvi nicht ausschließbar ist. Die großen Fragen, die nach dem Urteil des Landgerichts Hof 2004 immer wieder lauter wurden, hießen: Hat sich das Ulvi alles nur ausgedacht? Oder haben ihm die Ermittler das alles nur eingeflüstert?

Es sei schwierig zu erklären, wie Ulvi es schaffen konnte, sich die Geschichte auszudenken, wenn er es nicht erlebt hat. Dafür spreche der lückenlose Geschehensablauf über eine längere Zeitstrecke. Alle Punkte der Handlungen seien von Ulvi selbst gekommen, nicht deute darauf hin, dass ihn die Ermittler dazu gedrängt hätten.

Kröber nennt diese Tathergangshypothese einen „Plot“, die Idee für einen Film – aber daraus ein Drehbuch zu machen, ist eine Leistung.“ Das Drehbuch mit vielen Details, habe dieser selbst geliefert.

Diese Feststellung des Gutachters – einer angeblichen Koryphäe Deutschlands – ist eindeutig falsch! Man könnte daraus schließen, dass der Mann keinerlei Kenntnis über den Inhalt der Verfahrensakten besitzt.

Tatsächlich hat sich Ulvi das nicht ausgedacht, auch wenn er es immer wieder sagt. Auf Grund seiner geistigen Beschaffenheit ist er nicht in der Lage zu merken, wie man ihn zu bestimmten Aussagen „führte.“  Die Vernehmungen erfolgten tatsächlich auf der Grundlage der Tathergangshypothese. Anderenfalls ergäbe sich die Frage, wozu man diese dann überhaupt erstellt hat. Der beste Beweis dafür ist auch die Tatsache, dass das Geständnis von Ulvi fast haargenau so erfolgt, wie in der Tathergangshypothese vorgesehen. 

 

6. Verhandlungstag

7. Mai 2014

im Prozess

(Foto Günzburger Zeitung

Es erfolgt eine Zusammenfassung durch Richter Eckstein – ein vorläufiges Ergebnis der bisherigen Verhandlungstage.

    „ Es gibt nicht einen einzigen Sachbeweis für den Mord an Peggy. Für einen 

       Schuldspruch müssen wir die Überzeugung gewinnen und begründen können,

       dass der Angeklagte die Tat begangen hat.“

Eine zwischenzeitlich nochmalige Prüfung von DNA der Peggy haben kein Ergebnis gebracht. In der Videoaufzeichnung sind Widersprüche aufgetreten. Die damals kindliche Zeugin Helen hatte damals Peggy gesehen, als sie die Bank, an der Ulvi auf sie getroffen sei, bereits passiert hatte. Der Zeuge Wunderlich hat eindeutig ausgesagt, dass er Peggy nachmittags gegen 15.30 Uhr noch gesehen hat, was auch die beiden Ermittler Behrend und Krügel bestätigen.

Auf Grund dessen ergeht nach einer kurzen Pause ergeht der Beschluß, dass die Beweisaufnahme vorzeitig beendet wird.

Auf Antrag der Verteidigung werden lediglich die beiden Zeigen Klinkert und Teichmann (die sich bereits im Gericht befinden) sowie die Nebenklägerin Frau Knobloch befragt.

Hilmar Klinkert berichtet, dass er damals Ulvi auf dem Weg zu Dieter Teichmann etwa 13.30 Uhr getroffen hat. Er berichtet über die Vernehmungsmethoden der Polizei, wie man ihn stundenlang vernommen hat, um ihn zu verunsichern mit dem Ziel einer anderslautenden Aussage.

Auch Dieter Teichmann erklärt, dass er immer wahrheitsgemäß ausgesagt habe, dass Ulvi etwa 13.45 Uhr bei ihm zum Holzmachen war. Ihn hatte man lautstark in stundenlangen Vernehmungen unterstellt, dass er mit der Familie von Ulvi unter einer Decke stecke.

Susanne Knobloch konnte nicht viel zur Aufklärung der SMS vom 2.1.2002 beitragen.

  „Gut werde ich nicht mehr. Ich werde handeln. Wenn das zum Laufen kommt,

     gibt’s kein zurück von mir. Brauchst keine Angst haben. Ich mach mir die

     Hände bestimmt nicht dreckig. Schatz, Susanne, wie Du es auch haben willst,

     hätte nie gedacht, dass wir soweit kommen. Was immer passiert. Ich habe

     alles versucht, das zu verhindern. Du lässt mit keine andere Möglichkeit, Da

     musst Du auch die Konsequenzen tragen, sorry.

     Du wirst schon sehen. Verlass Dich darauf. Hast noch ein wenig Zeit.

     Überlege es Dir ganz gut, solange es noch geht. Mit 50.000 DM kann man

     viel machen auf dieser scheiß Welt!

 

Warum hat man auf die Anhörung des ehemaligen Lebensgefährten von Frau Knobloch verzichtet? Er hätte Antwort hinsichtlich des Inhalts dieser SMS geben können, ebenso auf auf die:

  „ Ich habe meine Mama schon lange nicht mehr gesehen.“

Sehr lächerlich die Auskunft des derzeitigen Ermittlers Müller, dass der ehemalige Lebensgefährte der Frau Knobloch in dieser SMS seine eigene Mutter gemeint habe.

Nicht nachvollziehbar die Entscheidung des Gerichts, dass eine Lichtenbergerin - einzige Belastungszeugin - nicht gehört wurde, die zu 100% eine Falschaussage im damaligen Prozess gegen Ulvi gemacht hatte. 

Bericht Holger Sabinky-Wolf - Günzburger Zeitung

Das Wiederaufnahmeverfahren steht unmittelbar vor dem Erfolg.

So erleichternd das für den Angeklagten, seine Familie und seine

Betreuerin ist, so belastender ist es für die bayerischen Ermittlungs -

und Justizbehörden. Wieder wird ein Urteil viele Jahre später revidiert.

Wie zum Beispiel im Fall Mollath bedurfte es vorher des massiven

Drucks durch die Medien und der Öffentlichkeit. Letztlich wird sich

zeigen, dass all die Zweifel am Urteil des Landgerichts Hof aus dem

Jahr 2004 berechtigt waren. Und dass Ulvi Kulac nie hätte schuldig

gesprochen werden dürfen.

7. Verhandlungstag

13. Mai 2014

staatsanwaltschaft - spiegel online

Foto bild-online

Für diesen Tag waren die Plädoyers von Staatsanwaltschaft, Gericht und Ulvis Rechtsanwalt angesagt.

In der Hauptsache ging es nur noch um ein „unschuldig“ erster oder zweiter Klasse. Frau Staatsanwältin Staade konnte nicht mehr mit Sicherheit ausschließen, dass der Angeklagte damals ein falsches Geständnis abgelegt habe. Unter diesen Umständen bleibe ihr nichts anderes übrig, als einen Freispruch zu beantragen.

 „ Wir haben keine Spuren, wir haben keinen Tatort, wir haben keine Leiche.“

Staatsanwältin Staade erklärte:

Plädyer

Dagegen protestierte der Verteidiger von Ulvi, Rechtsanwalt Euler, dass Staatsanwältin Staade sich in ihrem Plädoyer noch einmal auf die Fälle von Kindesmissbrauch bezog, wegen derer Kulac in Bayreuth untergebracht ist. Richtig ist, dass er in Hof davon wegen Schuldunfähigkeit freigesprochen wurde. Dabei hatte die Polizei selbst in einer Erklärung vom 23.1.2002 festgestellt, dass es keinen Hinweis auf sexuelle Kontakte mit Peggy gab.

Es sollte einmal generell unterschieden werden zwischen einem Missbrauchstäter oder Mörder und einem behinderten Menschen, attestiert auf dem geistigen Stand eines 8-10 Jährigen, forderte die Betreuerin von Ulvi Kulac, Gudrun Rödel in einem Schreiben an die Staatsanwältin.  

 

Sehr geehrte Frau Staatsanwältin Staade,

das Wiederaufnahmeverfahren gegen Ulvi Kulac wurde durch Urteil - Freispruch erster Klasse – am 14.5.2014 abgeschlossen. Über die Herrn Kulac vorgeworfenen Missbräuche an Kindern, die letztendlich zu seiner Unterbringung in die Psychiatrie führten, wurde im Prozess nicht verhandelt. Im Widerspruch dazu stehen Ihre plötzlichen Ausführungen dahingehend im Plädoyer - ohne Möglichkeit eines Widerspruchs -, die im Interesse meines Betreuten  keinesfalls unwidersprochen hingenommen werden.   

Für Ihre „Überzeugung“, dass Peggy Knobloch von Ulvi Kulac am 3.5.2001 missbraucht wurde, ist eine Beweisführung erforderlich, die Ihnen leider nicht möglich ist. Herr Richter Eckstein hat im Prozess nicht aus einer Lust heraus von einem angeblichen Missbrauch gesprochen. Aus den Verfahrensakten ist eindeutig ersichtlich, dass sich Peggy Knobloch an dem besagten Tag des angeblichen Missbrauchs keinesfalls in der Wohnung des  Herrn Kulac aufgehalten und ein Missbrauch durch ihn nicht stattgefunden hat. Durch mehrere Zeugen belegt, ist das Mädchen an diesem Nachmittag mit verschiedenen Menschen zusammen getroffen, eben zu einer Zeit, als sie sich angeblich in der Wohnung des Ulvi Kulac aufgehalten haben soll. Auch ist an Hand der damaligen Vernehmungsprotokolle eindeutig ersichtlich, wie man diesen behinderten Menschen zu der Aussage brachte, dass Peggy Knobloch um 15 Uhr in seine Wohnung gekommen sei. Die Spurensicherung stellte fest, dass ein derartiges Vorkommnis in dessen Wohnung nie stattgefunden hat. Auch konnte Ulvi Kulac keine einzige detaillierte Angabe hinsichtlich der Kleidung von Peggy oder deren besonderen Merkmale an ihrem Körper (die sehr auffällig vorhanden sind) machen. Letztendlich hatte die Soko I bereits festgestellt, dass es keinen Hinweis auf einen sexuellen Kontakt der Peggy Knobloch durch Ulvi Kulac gab.  Die Feststellung später durch die Soko II, dass es einen Augenzeugen für die Vergewaltigung der Peggy gebe, konnte nicht verifiziert werden. Diese Aussage eines damals 9-Jährigen psychisch geschädigten Jungen wurde durch die Sachverständige als nicht glaubhaft bewertet. Seine Aussage fand auch keinen Eingang in das Urteil.

Im totalen Widerspruch steht auch die Mitteilung der Staatsanwaltschaft Bayreuth vom 7.2.2011, dass dieser 9-Jährige wegen Kindesmissbrauch durch Ulvi Kulac für 4 Jahre eine Opferrente nach OEG erhalten hat, jedoch das Versorgungsamtes Bayreuth vom 30.3.2011 erklärt, die Zahlung dieser Rente sei auf Anerkennung eines Schockschadens erfolgt, den das Opfer unter dem Eindruck des von Ulvi Kulac an Peggy Knobloch angeblich verübten Mordes erlitt. (Anlage)

Es kann auch kein Beweis für Ihre Feststellung im Plädoyer erbracht werden, dass Ulvi Kulac in etlichen Fällen des Kindesmissbrauches Gewalt angewendet hat. Ich konnte bei meinen nahezu 10-jährigen Recherchen kein Kind - oder Bestätigung derer Eltern - finden, das sich als Missbrauchsopfer von Ulvi sah. Aus den mir vorliegenden Zeugenaussagen ergibt sich, dass es die Kinder auch oft selbst waren, die gegen Ulvi ein regelrechtes Kesseltreiben veranstalteten, ihn durchs Dorf trieben und zu sexuellen Handlungen animierten. Auch ist aktenkundig nachvollziehbar, wie Ermittler in der Vernehmung Kinder – ohne elterlichen Beistand - immer wieder regelrecht zu Aussagen nötigten, der Ulvi müsse ja was mit ihnen gemacht haben. Sehr aussagekräftig die Vernehmung einer damals 9-Jährigen, die sehr standhaft und überzeugend erklärte, dass sie zusammen mit Peggy Wochen vor ihrem Verschwinden einmal bei Ulvi war, er jedoch ihnen gar nichts getan hat.

Schockierend die Aussage eines damals 9-Jährigen, was Ulvi alles Schlimmes getan hat. Auf Nachfrage des Ermittlungsrichters erklärte dieser, dass er da nicht dabei war, er das nur vermute und ihm dies der Ermittler Herr B. so gesagt habe. 

Ich möchte die Vorgehensweise des Herrn Ulvi Kulac keinesfalls verharmlosen, aber es sind Vorfälle eines kranken Menschen begangen auf dem Stand eines 8-10 Jährigen. Ohne den damaligen Mordvorwurf und den sexuellen Missbrauch an Peggy Knobloch als Motiv der Tat wäre es keinesfalls zu einer zwangsweisen – nunmehr seit 13 Jahren fortwährenden Unterbringung – meines Betreuten gekommen. Die Mutter des Herrn Kulac hatte bereits nach einem Vorfall im August 2001 ärztlichen Rat eingeholt und mit dem Bezirkskrankenhaus Bayreuth eine freiwillige Therapie für ihren Sohn für den 10. September 2001 vereinbart.    

Sehr geehrte Frau Staatsanwältin,

Auch bin ich es den Menschen meiner Bürgerinitiative (jetzt Unterstützerkreis) von Ulvi Kulac – ohne die ein Wiederaufnahmeverfahren gar nicht möglich gewesen wäre - schuldig, Ihre Feststellungen im Plädoyer in der Verhandlung vom 13.5.2014 – es habe keine Übergriffe bei Verhören gegeben - davon sei erst 3 Jahre nach der letzten Vernehmung plötzlich die Rede gewesen, weil von den Unterstützern ein Wiederaufnahmegrund geschaffen werden sollte - nicht unwidersprochen hinzunehmen.

Ihre Feststellung ist widerlegt durch die Tatsache, dass  Ulvi Kulac bereits gegenüber Prof. Kröber am 19.10.2002 berichtet, dass die beiden Ermittler B. und L. überhaupt nicht zu ihm nett waren; ebenso gegenüber Prof. Nedopil am 24.1.2003, dass die Polizei ihn am Kragen gepackt habe, währenddessen der Besuch von Mitgliedern der Bürgerinitiative erstmals am 2.6. 2005 erfolgte.

Die Krankenschwester im BKH, Nadine H., berichtete gar, dass Ulvi Kulac ihr am Anfang der Vernehmungen von Verfehlungen berichtet habe;  er sei angeschrien und gekniffen worden. Er habe ihr wortwörtlich gesagt, dass er derb angefasst und ihm etwas Schlechtes getan wurde. Der damalige Pfleger B. berichtet, er habe gehört und gesehen, wie bei der Vernehmung von Ulvi geschrien und auf den Tisch geschlagen wurde. Das Schreien war so laut, dass er es der diensthabenden Ärztin gemeldet habe.

 Der damalige Ermittlungsrichter Wisneth hat eindeutig in der Verhandlung im Wiederaufnahmeverfahren am 10.4.2014 dargelegt, dass Ulvi Kulac ihm damals im Ermittlungsverfahren gegen zwei damalige Beamte sehr glaubwürdig von einem Übergriff berichtet hatte; er konnte annehmen, dass es tatsächlich stattgefunden hat.

 

Gudrun Rödel

 

Eine Antwort auf dieses Schreiben ging bis heute nicht ein, lediglich die Presseerklärung vom 27.5.14,  die aber keinen Hinweis auf den vorgehaltenen tätlichen Angriff enthält.

Staatsanwalt verteidigt sich

 

8. Verhandlungstag - Urteilsspruch

14. Mai 2014

Prozess 3

(Foto Frankenpost)

 

Das Urteil des Landgerichts Hof vom 30.4.2004 wird aufgehoben – der Angeklagte wird freigesprochen

(die Urteilsausfertigung liegt noch nicht vor)

 

„ Natürlich wäre es schön gewesen, wenn wir neu Erkenntnisse hätten“, räumte der Vorsitzende

   der  Kammer ein. Dafür hat das Gericht eine Menge von Ungereimtheiten entdeckt, nicht nur

   im widerrufenen Geständnis von Ulvi Kulac, sondern auch bei den Ermittlungen. Auch ohne

   die Korrekturen von des Gutachters Kröber hätte das Gericht wohl massive, eigene Vorbehalte

   gehabt.“

Einen tiefen Eindruck hinterließ vor allem ein Video, mit dem die Ermittler der Soko Peggy II nachstellen wollten, was Kulac Wochen vorher gestanden hatte. „ Eigenartig“ und „ lebensfremd“ kam dem Gericht einiges vor, was es da zu sehen gab; einen dicken schnaufenden Ulvi zum Beispiel, der längere Zeit immer genau im selben Abstand hinter Peggy her gerannt sein soll. Oder eine Peggy, die auf der Flucht immer den schweren Ranzen in der rechten Hand getragen haben soll und ihn sich nach einem angeblichen Sturz wieder reichen ließ.

 

Es gebe eine neue Ermittlungsgruppe bei der Bayreuther Kripo, die weiter jedem neuen Hinweis hinsichtlich Peggy Knobloch nachgeht. Immerhin hat sich die Zahl der vorläufigen Verdächtigen von vier auf drei vermindert: Nach dem Freispruch wird gegen Ulvi Kulac nicht mehr ermittelt.

Siegestaumel

(Kommentar von George Stavrakis – Stuttgarter Nachrichten)

Eine Justiz, die Angst macht

Stuttgarter Nachrichten

Muss der gesetzestreue Bürger also Angst vor der deuten Justiz haben?

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